Mehr als 15 Billion Dollar – laut Global Industry Analysts, Inc. ist dies der Wert des globalen Baumarktes im Jahr 2030. Die globale Bauleistung soll bis 2030 um 85 % wachsen. Mit diesen Zuwächsen am Horizont ist es kein Wunder, dass die Anforderungen und der Bedarf an passenden Fachkräften und kompetenten Führungskräften steigen. Trotz des sicherlich erfreulichen Wachstums steht die Branche vor enormen Herausforderungen. Ihr ökologischer Fußabdruck ist riesig, verbraucht sie doch etwa 40 Prozent der globalen Ressourcen. Nachhaltig zu agieren ist in der Branche bis dato eher Ausnahme als Regel. Auch bei der Digitalisierung ist der Bausektor alles andere als ein Vorreiter.

Gleichzeitig wird ihr in Zukunft noch viel mehr Effizienz abverlangt: Die Urbanisierung erfordert, dass immer mehr Bauten in immer kürzerer Zeit und mit möglichst wenig Belastung der Anrainer und der übrigen Umwelt zu errichten. Dabei werden wichtige Ressourcen wie etwa Sand knapp. Insgesamt ist der Veränderungsdruck sehr groß. Auch die Betreibermodelle und Nutzung der Gebäude wird sich signifikant verändern.

Ohne Building Information Modeling (BIM) geht am Bau bald fast nichts mehr

Ein reales Bauwerk lässt sich freilich nur in der realen Welt errichten. Doch was die Planung und die Zusammenarbeit der vielen Beteiligten betrifft, können die digitalen Tools für Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen sorgen. Ein solches Werkzeug, das die Branche schon heute und noch viel mehr in naher Zukunft beschäftigen wird, ist BIM. Diese Methode erlaubt es, die Planung, Ausführung und die Bewirtschaftung von Bauwerken jeglicher Art mithilfe von Software und Vernetzung zu optimieren. Bei BIM werden alle Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst und das Bauwerk wird auch als Computermodell visualisiert. Mit diesem Gebäudemodell können allen Projektbeteiligten – angefangen vom Architekten bis hin zum Facility Manager – arbeiten.

Der Nutzen von BIM zeigt sich, wenn man die bisher für Bauprojekte gängige Methode rekapituliert: Der planerische Entwurf eines Architekten, der auf den Wünschen und Bedürfnissen des Bauherrn basiert, steht am Anfang jedes Projekts. Mithilfe von CAD-Systemen entstehen dann die technischen Bau- und Konstruktionszeichnungen, aus denen dann wiederum die erforderlichen Bauleistungen und schließlich die Kosten destilliert werden. Wird der Entwurf geändert, dann müssen alle nachgelagerten Pläne und Kalkulationen angepasst werden. Mit BIM lässt sich dieser enorme Aufwand an Zeit und Geld vermeiden. Denn dabei können Architekten und Fachplaner die Änderungen in die Projektdatei einspeisen. Diese sind in Form von aktualisierten Plänen, Zeichnungen und Kalkulationen für jeden Projektbeteiligten sofort verfügbar.

Konkret:

Wenn der Architekt den Grundriss eines Bauwerks und damit auch die Anzahl der notwendigen Türen verändert, dann ist diese Adaption auch in der Türliste und in der Kalkulation sofort ersichtlich. Dieser erheblich verbesserte Informationsaustausch zwischen allen Planungsbeteiligten führt zu einer deutlich höheren Produktivität. Länder wie Großbritannien, die Niederlande oder auch der skandinavische Raum gelten als Vorreiter in Sachen BIM. Doch es ist damit zu rechnen, dass sich die neue Methode auch hierzulande nicht nur bei Großprojekten, sondern auch bei kleineren Bau- und Sanierungsvorhaben als weit gültiger Standard durchsetzen wird. Das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur macht BIM bis zum Jahr 2020 für Infrastrukturprojekte verbindlich. Auch in Österreich werden entsprechende Regelungen bereits auf Beamtenebene vorbereitet. Die Baugewerke, die an der Realisierung von Gebäuden beteiligt sind, werden neue Kompetenzen aufbauen müssen. Die Anforderungen an Fachkräfte und Kompetenzen, aber auch an deren Führung und Organisation verändern die Berufsbilder und Recruiting-Strategien.

Flexible Arbeitsformen erfordern neue Bauten

Die so genannten Nine-to-Five-Jobs nehmen kontinuierlich ab. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer verlangen nach flexiblen Arbeitszeitmodellen. In vielen Betrieben – wie etwa in den österreichischen Niederlassungen von Microsoft oder IBM oder auch bei T-Mobile Austria – ist die New World of Work bereits Realität. Kreative, Freelancer und digitale Nomaden teilen sich Co-Working-Spaces, um ihrer Berufung zu folgen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Flexibilisierung führt auch dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeitsleben und Privaten verwischen oder gar ganz verschwinden. Flexibel arbeitende und lebende Menschen verlangen auch den Bauten und den Wohnungen mehr Flexibilität ab.

Einzelne Räume oder ganze Gebäude müssen sich schnell umgestalten lassen, um genau jenen Bedarf zu befriedigen, der gerade gefragt ist. Um es überspitzt zu formulieren: Nicht nur Personen oder Organisationen, auch Gebäude müssen in Zukunft agil sein. Diese Flexibilität wird dabei wegen der bereits erwähnten Urbanisierung und der Steigerung des Bevölkerungswachstums auf weniger Platz stattfinden müssen. Wie dies gelingen kann, zeigt etwa ein mit Robotermöbeln ausgestattetes Mikro-Appartement.

Ingenieure und Architekten arbeiten enger zusammen

Der Fortschritt ermöglichen hoch technologisierte Bauteile. Ein Fenster erfüllt nicht nur seine Rolle als Fenster, sondern kann auch als Kraftwerk, indirekte Lichtquelle, Touchscreen, Klimaanlage oder Vorhang fungieren. Hightech-Fassaden können kühlen, heizen oder Smog neutralisieren. Und dank des Lotus-Effekts können sich Dächer sogar selbst reinigen. Dazu kommen neue Materialien oder Konstruktionsmethoden, die in Sachen Tragfähigkeit oder Statik ganz neue Möglichkeiten zulassen.

Beim Entwurf eines Gebäudes spielen sowohl diese Fähigkeiten, die einzelne Baukomponenten übernehmen können, als auch die Eigenschaften von innovativen Baustoffen oder Konstruktionsarten eine wichtige Rolle. Die für die Gebäudeplanung zuständigen Architekten müssen also mit den Ingenieuren, die das technologische Pouvoir der Elemente erweitern können, in der Frühphase eines Bauprojektes noch enger zusammenarbeiten, als dies bisher der Fall war. Diese enge Kooperation ist auch bei der Standardisierung und Vorfertigung von Bauteilen notwendig. Dank dieser Methode lassen sich auch große Bauwerke innerhalb von nur wenigen Tagen errichten.
Fachbereichsübergreifendes Verständnis oder Kompetenz sind in Zukunft eine Schlüsselqualifikation für Mitarbeiter_innen erfolgreicher Bauunternehmen.

3D-Druck

Auch als generative Fertigung bekannt, könnte 3D-Druck die Lieferketten, wie wir sie kennen, vollständig verändern. Warum? Laut PwC ebnet es den Weg für weiteres Prototyping und produziert sogar Teile bei Bedarf. Letzteres bietet mehrere wesentliche Vorteile bei Ersatzteilen: Die Hersteller müssen nicht mehr auf Lagerflächen setzen, während ihre Kunden sich keine Sorgen mehr machen müssen, dass Teile nicht verfügbar sind.

Ball in 3D-Druck

Ball in 3D-Druck

Schauen Sie weiter in die Zukunft, und es ergeben sich noch viele weitere Möglichkeiten: Sobald der 3D-Druck alltäglicher wird, können Unternehmen mit dem Verkauf von Urheberrechten für Designs anstelle von physischen Teilen beginnen. Dies sind spannende Aussichten, die aber auch Engagement erfordern. Sind Ihre Mitarbeiter_innen bereit dafür?

 

 

Folgen der Megatrends der Baubranche

Neue Berufsbilder, andere Talente, notwendige neue Kompetenzen und Skills

Sowohl in Sachen Nachhaltigkeit als auch bei der Digitalisierung sieht sich die Baubranche einem sehr hohen Veränderungsdruck gegenübergestellt. Neue digitale Werkzeuge wie beispielsweise BIM werden die Branche innerhalb sehr kurzer Zeit stark verändern. Auch die Anforderungen an die Produkte der Bauwirtschaft – die Gebäude -, haben sich innerhalb sehr kurzer Zeit gewandelt. Ganz zu schweigen von kompletten Veränderungen der Lieferketten. Geeignete Antworten darauf erfordern neben einer Fülle an neuen Entwicklungen vor allem kompetente Mitarbeiter_innen und Führungskräfte, welche die Unternehmung auf diese Reise vorbereiten und Geschäftsmodelle und Produktportfolio rechtzeitig den veränderten Marktanforderungen anpassen. Um zukunftsfähige Lösungen zu erfinden, stehen der gesamten Bauwirtschaft heute schon völlig neue Technologien zur Verfügung, deren Möglichkeiten sich heute bestenfalls erahnen lassen. Wer nutzt diese bereits ausreichend?

(Quellen: diverse Bau2019, ÖGNI, Internetrecherche, Gespräche mit Brancheninsidern)

Armin W. Rainer

Armin W. Rainer

Armin W. Rainer

Partner der QRC Group Personalberatung

Wien

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