Interim Management: Führung auf Zeit, wenn Unternehmen keine Zeit zu verlieren haben

Ein Interview mit unserer Geschäftsführerin Marion Käser-Seitz über kritische Führungslücken, Veränderungsdruck und die Frage, wann ein Interim Manager zur entscheidenden unternehmerischen Lösung wird.
Unternehmen geraten selten geplant unter Zugzwang. Eine Schlüsselposition wird kurzfristig vakant, ein Transformationsprojekt stockt, die Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück oder ein Wachstumsschub überfordert die bestehenden Strukturen. In solchen Situationen kann ein Interim Manager entscheidende Verantwortung übernehmen – schnell, erfahren und mit einem klaren Auftrag.
Wir sprechen mit unserer Geschäftsführerin Marion Käser-Seitz darüber, wann Interim Management sinnvoll ist und was die Geschäftsleitung bei der Auswahl beachten sollte.
Frau Käser-Seitz, was versteht man konkret unter Interim Management?
Interim Management bedeutet, dass erfahrene Führungskräfte für eine begrenzte Zeit und mit einem klar definierten Auftrag in ein Unternehmen eintreten. Sie übernehmen nicht nur eine beratende Rolle, sondern tragen operative Verantwortung, treffen Entscheidungen und steuern die Umsetzung.
Der Einsatz kann beispielsweise eine vakante Geschäftsführungs-, Vertriebs-, Finanz-, Personal- oder Operations-Rolle überbrücken. Ebenso kann ein Interim Manager ein kritisches Projekt führen, eine Restrukturierung begleiten oder einen Veränderungsprozess konsequent umsetzen.
In welchen Situationen sollte die Geschäftsleitung über einen Interim Manager nachdenken?
Immer dann, wenn eine unternehmerisch relevante Aufgabe nicht warten kann. Das kann der plötzliche Ausfall einer Führungskraft sein, aber auch ein akuter Ergebnisdruck, eine anstehende Transformation, eine Nachfolgesituation oder eine anspruchsvolle Wachstumsphase.
Viele Unternehmen reagieren zu spät. Sie versuchen zunächst, die Herausforderung intern zusätzlich zu verteilen. Das funktioniert kurzfristig häufig – belastet aber das bestehende Führungsteam und führt dazu, dass wichtige Themen nicht mit der notwendigen Konsequenz bearbeitet werden. Ein Interim Manager schafft in solchen Situationen Fokus, Kapazität und Führungserfahrung.
Welche Warnsignale zeigen, dass Abwarten keine gute Option mehr ist?
Ein deutliches Warnsignal ist, wenn Entscheidungen immer wieder verschoben werden, Verantwortlichkeiten unklar sind oder ein Projekt trotz vieler Meetings nicht vorankommt. Auch eine längere Vakanz in einer Schlüsselposition kann schnell zu Reibungsverlusten führen – insbesondere, wenn Teams Orientierung brauchen oder wichtige Kunden, Mitarbeiter und Partner Verlässlichkeit erwarten.
Geschäftsführer:innen sollten außerdem aufmerksam werden, wenn die operative Belastung im Führungskreis dauerhaft zu hoch wird. Wer nur noch reagiert, statt zu gestalten, riskiert, dass dringende Aufgaben wichtige Zukunftsthemen verdrängen.
Was unterscheidet einen Interim Manager von einem klassischen Unternehmensberater?
Ein Berater analysiert, entwickelt Konzepte und gibt Empfehlungen. Ein Interim Manager geht einen Schritt weiter: Er übernimmt Verantwortung für die Umsetzung.
Das bedeutet: Er führt Teams, priorisiert Maßnahmen, trifft Entscheidungen, steuert Projekte und steht für konkrete Ergebnisse ein. Gerade in anspruchsvollen Situationen reicht ein gutes Konzept allein nicht aus. Entscheidend ist, dass jemand die Umsetzung mit Erfahrung, Klarheit und der nötigen Durchsetzungskraft verantwortet.
Wann ist Interim Management einer Festanstellung überlegen?
Eine Festanstellung ist die richtige Lösung, wenn eine Funktion langfristig aufgebaut oder dauerhaft besetzt werden soll. Interim Management ist besonders sinnvoll, wenn Geschwindigkeit gefragt ist, eine Aufgabe zeitlich klar begrenzt ist oder ein Unternehmen zunächst Stabilität und Orientierung schaffen muss.
Oftmals ist es sinnvoll, beides miteinander zu verbinden: Ein Interim Manager sichert zunächst die Handlungsfähigkeit, strukturiert die Aufgabe und bereitet anschließend eine professionelle Übergabe an die langfristige Führungskraft vor.
Wie schnell kann ein passender Interim Manager verfügbar sein?
Das hängt von der konkreten Aufgabe, dem Standort und dem erforderlichen Erfahrungsprofil ab. Entscheidend ist jedoch, dass der Vermittlungsprozess sehr fokussiert geführt wird.
Wir klären deshalb zu Beginn nicht nur die fachlichen Anforderungen, sondern vor allem die Ausgangssituation: Was ist das konkrete Problem? Welche Ergebnisse werden erwartet? Welche Entscheidungsbefugnisse sind erforderlich? Welche Persönlichkeit kann in dieser Unternehmenskultur wirksam sein?
Auf dieser Grundlage können wir gezielt geeignete Interim Manager identifizieren und schnell passende Profile vorstellen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie einen Interim Manager aus?
Fachliche Erfahrung ist selbstverständlich wichtig – aber sie ist nur ein Teil der Entscheidung. Ein hervorragender Restrukturierungsexperte muss beispielsweise nicht automatisch der richtige Manager für ein wachstumsorientiertes Familienunternehmen sein.
Wir achten deshalb insbesondere auf vier Punkte: die konkrete Branchenerfahrung, die nachweisbare Erfahrung mit vergleichbaren Aufgaben, die Führungspersönlichkeit und die kulturelle Passung. Ein Interim Manager muss nicht nur wissen, was zu tun ist. Er muss es auch schaffen, Mitarbeiter, Führungskräfte und weitere Stakeholder für den Weg zu gewinnen.
Viele Geschäftsführer:innen fragen sich: Lohnt sich das wirtschaftlich?
Die Frage sollte nicht allein lauten, was ein Interim Manager kostet. Entscheidend ist, was es das Unternehmen kostet, wenn eine kritische Aufgabe ungelöst bleibt.
Eine unbesetzte Führungsposition, eine verzögerte Transformation, ein festgefahrenes Projekt oder eine unklare Vertriebssteuerung können erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Interim Management ist deshalb keine reine Personalkostenentscheidung. Es ist eine Investition in Handlungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Ergebnissicherheit.
Ein professionell geführtes Mandat hat klare Ziele, einen transparenten Leistungsumfang und messbare Prioritäten. So bleibt der Nutzen jederzeit nachvollziehbar.
Wie gelingt es einem externen Manager, schnell Akzeptanz im Unternehmen aufzubauen?
Akzeptanz entsteht nicht durch einen Titel, sondern durch Klarheit, Präsenz und glaubwürdiges Handeln. Ein guter Interim Manager nimmt sich zu Beginn Zeit, die Situation zu verstehen, relevante Ansprechpartner einzubinden und Erwartungen offen zu kommunizieren.
Gleichzeitig darf er nicht zu lange in der Analysephase bleiben. Mitarbeiter akzeptieren externe Führung besonders dann, wenn sie merken: Hier hört jemand zu, trifft nachvollziehbare Entscheidungen und sorgt dafür, dass Dinge endlich vorangehen.
Wichtig ist auch die Unterstützung durch die Geschäftsleitung. Wenn Auftrag, Rolle und Entscheidungsbefugnisse klar kommuniziert sind, kann ein Interim Manager deutlich schneller Wirkung entfalten.
Wie stellen Sie sicher, dass die Wirkung nach dem Mandat erhalten bleibt?
Ein erfolgreiches Interim-Mandat endet nicht mit dem letzten Arbeitstag. Von Beginn an sollte klar sein, welche Strukturen, Prozesse, Entscheidungen und Kompetenzen dauerhaft im Unternehmen verankert werden sollen.
Dazu gehören eine saubere Dokumentation, die Entwicklung interner Verantwortlicher, klare Übergabepunkte und – falls erforderlich – die strukturierte Einarbeitung einer langfristigen Nachfolge. Unser Anspruch ist nicht, Abhängigkeiten zu schaffen, sondern Unternehmen nachhaltig handlungsfähiger zu machen.
Welche Rolle spielt Diskretion bei der Vermittlung von Interim Managern?
Eine sehr große. Gerade bei Nachfolgefragen, Restrukturierungen, Konfliktsituationen oder der Neubesetzung von Führungspositionen ist absolute Vertraulichkeit entscheidend.
Deshalb führen wir Gespräche diskret, stimmen jeden Schritt eng mit unseren Auftraggebern ab und stellen nur Profile vor, die wirklich zur Situation passen. Vertrauen ist im Interim Management keine Begleiterscheinung – es ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Was ist Ihr wichtigster Rat an die Geschäftsleitung, die aktuell unter Druck steht?
Warten Sie nicht, bis aus einer Herausforderung eine Krise wird. Wenn eine Schlüsselrolle fehlt, ein wichtiges Vorhaben stockt oder das Führungsteam dauerhaft an seine Grenzen kommt, sollte man frühzeitig prüfen, welche Unterstützung die Situation wirklich erfordert.
Interim Management ist keine Notlösung. Richtig eingesetzt, ist es eine unternehmerische Option, um schnell wieder Klarheit, Verantwortung und Umsetzungskraft ins Unternehmen zu bringen.
Fazit
Interim Manager sind erfahrene Führungspersönlichkeiten für Situationen, in denen Unternehmen schnell entscheiden und konsequent handeln müssen. Sie überbrücken nicht nur Vakanzen, sondern übernehmen Verantwortung in Transformationen, Wachstumsphasen, Restrukturierungen und kritischen Projekten.
Wir unterstützen die Geschäftsleitung dabei, für genau diese Herausforderungen den passenden Interim Manager zu finden – diskret, zielgerichtet und mit einem klaren Blick auf die konkrete unternehmerische Aufgabe.