Zahlungsmittel Daten – von den Datenkraken lernen

30. Oktober 2015 QRC Group Oberhaching

DatenkrakeDer Begriff der Datenkrake, die – meist mit bösartigem Grinsen – die Daten unbescholtener Bürger an sich reißt, ist inzwischen ein weitverbreitetes Schreckgespenst. Neben diversen Geheimdiensten fallen üblicherweise auch die großen Social-Media- und Mobilfunk-Betriebssystemanbieter aus den USA unter die Gattung der Datenkraken. Einen fundamentalen Unterschied zwischen beiden Gruppen muss man jedoch machen: Während ersteren wohl niemand freiwillig seine Daten geben würde, ist dies bei letzteren tatsächlich der Fall.

Doch was bringt Menschen dazu, Facebook, Google, Apple und Co. gegenüber so derart freizügig zu sein? An Warnungen mangelt es nicht – immer wieder gehen Warnungen durch die Presse, Kinderbilder einzustellen. Ganzen Generationen werden wegen ihrer Jugend-Partyfotos jegliche Karrierechancen abgesprochen. Smarte Geräte und das Internet der Dinge potenzieren den Datenfluss, smarte Produkte sind Datenschleudern. Bei der Nutzung entstehen ständig Daten, die ja auch erforderlich sind, um die neuen, smarten Lösungen anbieten zu können. Die Frage, wem diese Daten gehören und wer sie nutzen darf, ist eine Kernfrage des gesamten Themas Industrie 4.0 und Internet der Dinge.

Wie wäre es denn, von Facebook, Apple, Google und Co. zu lernen? Es dürfte ja inzwischen dem letzten Nutzer klar sein, dass die freiwillig eingegebenen Daten von den Unternehmen genutzt werden, um selbst Profit zu machen. Trotzdem schrumpft die Nutzerschaft nicht, Empörungs- und Kündigungswellen sind ausgeblieben. Warum? Weil anscheinend die Menschen zufrieden sind mit der Leistung, die sie für ihre Bezahlung – die sie in Form von Informationen über sich selbst liefern – erhalten. Das Bedürfnis, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und zu kommunizieren, ist größer als die Furcht vor der Datensammelwut von Facebook.

Es kommt eben wie immer im Leben auf das Kosten-/Nutzen-Verhältnis an. Die Menschen wägen – bewusst oder unbewusst – ab, welche Vorteile ihnen die Dienste bringen und welche Daten sie dafür abgeben müssen. Zudem wird abgewogen, wozu die Daten genutzt werden. Einem Dienst wie Google, der meine Daten dazu nutzt, mir personalisierte Werbung anzuzeigen, wird sicher relativ positiver wahrgenommen als ein Geheimdienst, dem eher sinistere Beweggründe unterstellt werden.

Man muss also, wenn man Daten haben möchte, zweierlei schaffen: Mehrwert für den Nutzer und Vertrauen. Das ganz überwiegend gute Image der deutschen Industrie lässt sich hier positiv verwerten. Im Gegensatz zu den genannten US-Unternehmen werden beispielsweise die deutschen Automobilbauer nicht negativ gesehen. Wenn es beispielsweise um das autonome Fahrzeug und dessen Daten geht, könnte dies ein großer Vorteil der Daimlers und BMWs sein gegenüber Google. Und man sollte sich als Maschinenbauer nicht im Sicherheit wiegen, für Autos gibt es bereits Android- und iOS-Betriebssysteme – warum sollte Google kein „Android für Bearbeitungszentren“ herausbringen, wenn der Markt oder die dort zu findenden Daten interessant genug sind?

Die deutsche Industrie hat heute durchaus die Chance, zumindest im Businessbereich den Rückstand gegenüber den US-Internetgiganten zu verkürzen. Auch in Ländern wie den USA, in denen Datenschutz bisher kein großes Thema war, wird sich die Frage, wem die eigenen Daten gehören, in der Zukunft weiter in den Vordergrund drängen. Hat man hier Lösungen, die eine positive Antwort bei der Kosten-/Nutzenrechnung geben, ist man im Vorteil. Und diese Überlegung gilt nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Firmen.

Unser Autor:
Dipl.-Ing. Ralf Steck

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