Hybridantrieb für Flugzeuge: Der Taxibot

30. Oktober 2015 QRC Group Oberhaching

HybridflugzeugDer Verbrauch von Flugzeugtriebwerken wurde über die Jahre zwar immer stärker reduziert, nichtsdestotrotz verbrennen Jetturbinen Unmengen von Kerosin. Allerdings müssen beispielsweise die vier Triebwerke eines Airbus A380 auch fast 600 Tonnen in die Luft wuchten und mit über 1.000km/h vorantreiben. Auf dem Boden sind Flugzeuge völlig übermotorisiert, was dazu führt, dass ein Flugzeug am Frankfurter Flughafen schon mal 600 Liter Kerosin verbraucht, um an den Start zu rollen.

Bei der Lufthansa Engineering and Operational Services GmbH (LEOS) machte man sich Gedanken, wie diese Treibstoffverschwendung reduziert werden kann – diese ist ja zudem mit nicht gerade geringer Lärmentwicklung verbunden. In der sehr interessanten Serie „Ingenieurgeschichten“ des VDI wird berichtet, wie Gerhard Baumgarten, Leiter der Abteilung Innovation bei LEOS, mit seinem Team und Flughafen-Fahrzeughersteller TLD ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug entwickelt hat, das diese Aufgabe übernehmen kann.

Interessanterweise ist das größte Problem beim Schleppen eines Flugzeugs nicht das Bewegen, sondern das Bremsen. Je größer das Flugzeug, desto schwieriger wird es, das gewaltige Flugzeuggewicht zu bremsen, wenn man lediglich das Bugrad als Angriffspunkt hat. Taxibot geht einen anderen Weg: Der Pilot steuert das Flugzeug und den Taxibot selbst. Das Bugrad ist auf einem Drehteller untergebracht, der die Lenkbewegungen des Piloten über das Bugrad an den Taxibot überträgt. Bremst der Pilot, werden dazu alle Bremsen des Fahrwerks genutzt. An der Startbahn angekommen, koppelt der Taxibot ab, der Pilot startet die Triebwerke und rollt auf die Startbahn. Der Taxibot selbst wird von einem Fahrer zum Terminal zurückgefahren – oder er dockt an ein gerade gelandetes Flugzeug an und bringt dieses ans Terminal. Der Taxibot wird seit Februar 2015 mit Flugzeugen des Typs 737 in Frankfurt im Regelbetrieb eingesetzt, man erwartet pro Jahr Einsparungen von 2.700 Tonnen Kerosin.

Unser Autor:
Dipl.-Ing. Ralf Steck